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Das kleine Wörterbuch Deutsch-Giraffisch: So klingen Alltagssätze in Gewaltfreier Kommunikation

Eine Frau mit Wolfsohren und ein Mann mit Giraffenohren lächeln in die Kamera

Wir sprechen alle fließend Deutsch. Und trotzdem verstehen wir uns ständig falsch. Du sagst „Schon gut“, meinst aber „Gar nichts ist gut“. Dein Partner sagt „Mach doch, was du willst“, meint aber „Ich bin gekränkt und will, dass du es merkst“. Und dein Kind hört von „Zieh dir sofort eine Jacke an, sonst wirst du krank!“ ungefähr die Hälfte, nämlich „Blablabla Jacke blabla“.

Marshall Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation (GFK), hat für dieses Dilemma zwei Tiere ins Spiel gebracht. Den Wolf und die Giraffe. Der Wolf steht für eine Sprache, die urteilt, Schuld verteilt und Recht haben will. Die Giraffe hat ein großes Herz und durch ihren langen Hals den Überblick. Sie spricht über das, was in ihr lebendig ist, und hört beim anderen hin, was er eigentlich braucht.

Wolfssprache können wir alle, die haben wir von klein auf gelernt. Giraffisch ist eher so etwas wie eine Fremdsprache. Deshalb gibt es hier das passende Wörterbuch. Mit echten Sätzen aus dem Alltag, einem Augenzwinkern und der Übersetzung, wie man es auch sagen könnte.

Die Grammatik in 30 Sekunden

Bevor wir ins Wörterbuch einsteigen, kurz die Grammatik. Giraffisch hat vier Bausteine:

  1. Was ist passiert? Eine Beobachtung, so neutral, wie sie eine Kamera aufnehmen würde. Also nicht „Du bist unzuverlässig“, sondern „Du bist 20 Minuten nach der Zeit gekommen, die wir ausgemacht hatten“.
  2. Was fühle ich dabei? Ein echtes Gefühl, zum Beispiel traurig, genervt, erleichtert, unsicher.
  3. Was brauche ich? Das Bedürfnis hinter dem Gefühl, zum Beispiel Verlässlichkeit, Ruhe, Wertschätzung oder Verbindung.
  4. Worum bitte ich? Eine konkrete Bitte, die man erfüllen kann. Jetzt, heute, messbar.

Das war’s schon. Klingt einfach, ist es auch. Nur leicht ist es nicht, wie du gleich noch sehen wirst. 😊

Das Wörterbuch

„Du hörst mir nie zu!“

Du erzählst von deinem Tag, dein Gegenüber schaut dabei aufs Handy. Das Wörtchen „nie“ ist ein echter Wolfsklassiker. Es macht aus einer einzigen Situation ein Urteil über den ganzen Menschen. Und der wehrt sich prompt: „Stimmt doch gar nicht, letzten Dienstag hab ich dir eine Stunde zugehört!“ Glückwunsch, jetzt streitet ihr über Dienstag.

🦒 Auf Giraffisch: „Als ich dir gerade von dem Gespräch mit meiner Chefin erzählt habe und du aufs Handy geschaut hast, war ich traurig. Ich möchte das Gefühl haben, wirklich gehört zu werden. Magst du das Handy weglegen, damit ich dir den Rest erzählen kann?“

„Immer muss ich hier alles alleine machen!“

Gleich zwei Wolfsvokabeln in einem Satz: „immer“ und „alles“. Die Spülmaschine ist voll, der Müll quillt über, und in dir kocht es. Verständlich. Nur fühlt sich dein Mitbewohner nach diesem Satz vor allem angegriffen und nicht besonders motiviert, den Müll runterzubringen.

🦒 Auf Giraffisch: „Ich habe diese Woche dreimal die Spülmaschine ausgeräumt und zweimal den Müll rausgebracht. Ich bin gerade ziemlich erschöpft und auch frustriert, weil mir Fairness im Haushalt wichtig ist. Wärst du bereit, den Müll diese Woche zu übernehmen?“

„Mach doch, was du willst.“

Das passiv-aggressive Meisterwerk der deutschen Sprache. Wörtlich übersetzt heißt es nämlich „Mach bloß nicht, was du willst, sonst gibt’s Ärger“. Wer diesen Satz hört, weiß genau: Hier stimmt was nicht. Nur was, das soll er gefälligst selbst herausfinden.

🦒 Auf Giraffisch: „Ich bin gerade traurig, weil ich mir gewünscht hätte, dass wir das zusammen entscheiden. Erzählst du mir, was dir an deinem Plan so wichtig ist? Dann erzähle ich dir, was mir wichtig wäre.“

„Schon gut, alles in Ordnung.“

Mit Abstand die häufigste Lüge in deutschen Wohnzimmern. Meistens folgt darauf ein Abend voller Schweigen, extra lautem Geschirrklappern und Türen, die ein bisschen fester zugehen als nötig. Von mir früher häufig verwendet: „Passt schon!“ Ha, als ob!

🦒 Auf Giraffisch: „Ehrlich gesagt bin ich noch ein bisschen wütend wegen vorhin. Ich brauche gerade etwas Zeit für mich. Können wir heute Abend nach dem Essen noch mal darüber reden?“

„Zieh dir sofort eine Jacke an, sonst wirst du krank!“

Es sind fünf Grad draußen und meine Tochter steht im T-Shirt an der Haustür. Eltern kennen das. Die Drohung am Ende („sonst wirst du krank“) glaubt allerdings kein Kind, auch nicht mein Kind, weil es ja noch nie vom Jackelosen-Rausgehen sofort krank geworden ist. Und schon beginnt der Machtkampf.

🦒 Auf Giraffisch: „Draußen sind nur fünf Grad. Ich mache mir Sorgen, dass du frierst, weil mir wichtig ist, dass es dir gut geht. Bist du bereit, die Jacke wenigstens mitzunehmen?“

Und wenn dein Kind trotzdem Nein sagt, kannst du es auch mal mit Einfühlung probieren: „Du willst selbst entscheiden, ob dir kalt ist, oder?“ Manchmal wirkt das Wunder. Kinder brauchen nämlich genauso Selbstbestimmung wie wir. Und oft wird die Jacke kurz darauf doch angezogen. Oh Wunder. Na ja, und es ist ja auch wirklich kalt …

„Nicht böse gemeint, aber …“

Eine kleine Faustregel: Alles, was nach „Nicht böse gemeint, aber“ kommt, ist böse gemeint. Oder wird zumindest so ankommen. Genauso wie bei „Ich will ja nichts sagen, aber“, nach dem grundsätzlich etwas gesagt wird.

🦒 Auf Giraffisch: „Du hast mir erzählt, dass du den Job kündigen willst. Ich bin etwas unsicher, weil mir finanzielle Sicherheit so wichtig ist. Magst du mir erzählen, wie du dir die nächsten Monate vorstellst?“

„Das ist total unprofessionell!“

Die Präsentation für das Meeting um zehn kommt um 9:50 Uhr in deinem Postfach an. Der Satz liegt dir auf der Zunge, und inhaltlich hast du vielleicht sogar recht. Aber „unprofessionell“ ist ein Urteil, und bei Urteilen geht dein Kollege sofort in die Verteidigung. Danach redet ihr über seine Professionalität und nicht mehr darüber, wann du die nächste Präsentation bekommst.

🦒 Auf Giraffisch: „Die Präsentation kam zehn Minuten vor dem Termin bei mir an. Ich war ziemlich gestresst, weil ich Zeit brauche, um mich gut vorzubereiten. Kannst du sie mir beim nächsten Mal bis zum Vortag um 16 Uhr schicken?“

„Also bei uns früher hätte es so was nicht gegeben.“

Dieser Satz kommt gerne von der Schwiegermutter, wenn die Enkel beim Essen am Tisch herumturnen. Hier ist es spannend, einmal nicht zu sprechen, sondern mit Giraffenohren zuzuhören. Denn hinter jedem Vorwurf steckt ein unerfülltes Bedürfnis. Rosenberg nannte Vorwürfe deshalb einen „tragischen Ausdruck“ von Bedürfnissen.

🦒 Mit Giraffenohren gehört: „Ist dir wichtig, dass die Kinder lernen, beim Essen Rücksicht zu nehmen?“ Oder: „Wünschst du dir beim Essen ein bisschen mehr Ruhe?“ Du musst ihr nicht zustimmen. Aber es ist erstaunlich, wie schnell ein Gespräch weicher wird, wenn jemand sich verstanden fühlt.

„Du bist so egoistisch!“

Autsch. Wenn dir jemand diesen Satz an den Kopf wirft, hast du nach Rosenberg vier Möglichkeiten, ihn zu hören. Mit Wolfsohren nach außen schießt du zurück („Ich? Du bist doch hier der Egoist!“). Mit Wolfsohren nach innen glaubst du es („Er hat recht, ich bin ein schlechter Mensch“). Mit Giraffenohren nach innen schaust du, was in dir los ist („Ich bin erschrocken und traurig, weil mir unsere Beziehung wichtig ist“). Und mit Giraffenohren nach außen hörst du, was beim anderen los ist.

🦒 Mit Giraffenohren nach außen gehört: „Bist du verletzt, weil du dir mehr Rücksicht gewünscht hättest?“ Das ist keine Entschuldigung und kein Schuldeingeständnis. Es ist einfach der Versuch, zu verstehen, was der andere gerade braucht.

„Ich bin so blöd!“

Der Wolf redet nicht nur mit anderen, sondern auch mit uns selbst. Und da ist er oft am gnadenlosesten. Du hast den Zahnarzttermin verpasst und beschimpfst dich innerlich, wie du nie einen Freund beschimpfen würdest.

🦒 Auf Giraffisch mit dir selbst: „Ich habe den Zahnarzttermin vergessen. Ich ärgere mich, weil mir Zuverlässigkeit wichtig ist. Ab jetzt trage ich Termine sofort ins Handy ein.“ Klingt unspektakulär, macht aber einen riesigen Unterschied für dein Selbstwertgefühl.

Vorsicht, falsche Freunde!

Wie in jeder Fremdsprache gibt es auch im Giraffischen falsche Freunde. Wörter, die nach Giraffe klingen, aber eigentlich Wölfe im Giraffenpelz sind.

Der häufigste: „Ich fühle mich von dir ignoriert.“ Klingt nach Gefühl, ist aber eine Interpretation. Denn „ignoriert“ sagt vor allem etwas darüber, was der andere angeblich tut. Dasselbe gilt für „ausgenutzt“, „manipuliert“, „im Stich gelassen“ oder „nicht ernst genommen“. Das echte Gefühl dahinter ist vielleicht traurig, einsam oder verletzt.

Noch tückischer ist „Ich fühle, dass du …“. Wer so anfängt, verpackt ein Urteil in Watte. „Ich fühle, dass du mich nicht liebst“ ist kein Gefühl, sondern ein Vorwurf mit Schleifchen.

Und dann gibt es noch die Bitte, die eigentlich eine Forderung ist. Den Unterschied merkst du ganz einfach daran, wie du auf ein Nein reagierst. Wenn du danach beleidigt bist oder Druck machst, war es keine Bitte.

Warum klingt Giraffisch am Anfang so komisch?

Vielleicht hast du beim Lesen gedacht: So redet doch kein Mensch! Und du hast recht. Am Anfang klingt Giraffisch ein bisschen wie ein Übersetzungsprogramm, das zu gründlich arbeitet. Das ist ganz normal. Beim Vokabellernen in der Schule habe ich ja auch erst mal „Mein Name ist Svenja und ich wohne in einem Haus“ gesagt, bevor ich mich im Urlaub irgendwann locker unterhalten konnte.

Mit der Zeit wird aus dem Lehrbuch-Giraffisch Alltags-Giraffisch. Dann klingt es zum Beispiel so: „Boah, ich bin grad echt durch. Ich brauch fünf Minuten Ruhe, okay?“ Auch das ist Gewaltfreie Kommunikation. Denn es geht nicht darum, eine Formel aufzusagen. Es geht um die Haltung dahinter: dass du ehrlich sagst, was in dir los ist, und neugierig bleibst auf das, was im anderen los ist.

Und ganz ehrlich, auch nach vielen Jahren GFK rutscht mir im Alltag noch der eine oder andere Wolf raus. Also, eigentlich ist das untertrieben. Mir fliegen regelmäßig meine Konditionierungen um die Ohren. Das gehört dazu. Wölfe sind übrigens keine Feinde. Sie zeigen uns nur, dass gerade ein Bedürfnis zu kurz kommt. Vielleicht ein Thema für einen eigenen Blogbeitrag? …

Lust, Giraffisch zu lernen?

Eine Sprache lernt man am besten, indem man sie spricht. Als zertifizierte Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation (CNVC) biete ich in Essen ein Einführungsseminar an, in dem du die Grundlagen Schritt für Schritt kennenlernst. Und in meiner Übungsgruppe kannst du regelmäßig an echten Situationen aus deinem Alltag üben, ganz ohne Leistungsdruck. Alle Termine findest du auf der Seite Termine Gewaltfreie Kommunikation. Und wenn du erst mal mehr über GFK erfahren möchtest, schau auf meiner Seite Gewaltfreie Kommunikation vorbei.

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Alles, was Du wissen musst – auf einen Blick.

Häufig gestellte Fragen

Ich möchte, dass Du Dich bei mir gut aufgehoben fühlst. Deshalb beantworte ich hier die Fragen, die mich am häufigsten erreichen. Wenn Deine Frage nicht dabei ist, bin ich jederzeit für Dich da.

Ich kombiniere systemische Aufstellungsarbeit mit körperzentrierten Techniken und meinem eigenen Ansatz der Inneren Transformation. So lösen wir nicht nur Blockaden im Kopf, sondern auch tiefsitzende Muster im Körper und Familiensystem. Wir stärken Deine Ressourcen und klären, was Du wirklich brauchst, damit Dein Leben leichter und freier wird.

Ich arbeite ganzheitlich - Körper, Seele und Verstand gehören zusammen. Nur wenn wir auch die unbewussten Mechanismen anschauen, die hinter einem Problem liegen, kann echte Transformation passieren. Außerdem vereine ich sehr wirkungsstarke Ansätze und kann immer individuell schauen, was Du gerade brauchst.

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Dann bist Du hier genau richtig. Viele Menschen haben sich so lange angepasst, dass sie gar nicht mehr spüren, was sie selbst wollen. Gemeinsam finden wir heraus, was Dir wirklich guttut.

Beim ersten Termin schauen wir kurz, wo Du stehst und was Du erreichen möchtest. Dann starten wir direkt mit Deinem Prozess, denn Reden allein bringt oft keine Veränderung. So spürst Du schnell, ob meine Arbeit zu Dir passt und kannst dann entscheiden, wie Du weitermachen möchtest.

Oft sehr schnell. Manchmal reicht eine Aufstellung, um spürbare Veränderungen auszulösen. Bei tieferen Themen zeigen sich nach drei bis fünf Sitzungen nachhaltige Veränderungen im Alltag.

Ich arbeite traumasensibel und nur so weit, wie es sich gut anfühlt. Es wird nichts gewaltsam aufgebrochen. Ein sicherer, geschützter Rahmen ist für mich selbstverständlich.

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Svenja auf der Lake
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