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Was ist eine Familienaufstellung? Ablauf, Wirkung und Kritik

Svenja auf der Lake leitet ein Aufstellungsseminar in Essen

Vielleicht hast du schon mal von Familienaufstellungen gehört. Von einer Freundin, die ganz bewegt aus einem Seminar kam. Oder in einem Artikel, in dem die Methode eher kritisch gesehen wurde. Oder dir wird die Methode empfohlen, um ein bestimmtes Problem zu lösen, so geht es vielen meiner Klienten. Und irgendwo dazwischen steht die Frage: Was passiert da eigentlich? Und wäre das auch etwas für mich?

In diesem Artikel erkläre ich dir, was eine Familienaufstellung ist, wie sie abläuft, was sie bewirken kann und wo ihre Grenzen liegen. Die Kritik lasse ich dabei nicht weg, denn sie gehört zu einem ehrlichen Bild dazu.

Familienaufstellung kurz erklärt

Bei einer Familienaufstellung werden die Beziehungen in deiner Familie im Raum sichtbar gemacht. Das kann auch ein anderes System sein, zu dem du gehörst. Statt nur über deine Familie zu sprechen, wird sie räumlich dargestellt. Andere Menschen stehen stellvertretend für deine Mutter, deinen Vater, deine Geschwister oder dich selbst. Manchmal auch für etwas Abstraktes wie „die Angst“ oder „den Beruf“.

Und dann passiert etwas, das viele beim ersten Mal kaum glauben können. Die Stellvertreter spüren an ihrem Platz Gefühle, Körperempfindungen oder Impulse, die oft genau zu den Menschen passen, für die sie stehen. Obwohl sie diese Menschen nie kennengelernt haben. Man nennt das repräsentierende Wahrnehmung. Warum das so ist, dafür gibt es viele verschiedene Erklärungsansätze. Der Biologe Rupert Sheldrake spricht von morphogenetischen Feldern, andere Erklärungen setzen bei den Spiegelneuronen im Gehirn an. Alle, die es einmal bei mir erlebt haben, beschreiben es als sehr berührend und aufschlussreich. Und letzten Endes ist es mir im Laufe der letzten Jahre fast egal geworden, warum es wirkt. Wichtig ist nur, dass es wirkt.

Bei Aufstellungen geht es darum, Dynamiken zu erkennen, die dich bis heute prägen, oft ohne dass du es merkst. Vielleicht erkennst du dich hier wieder:

  • Du gerätst in Beziehungen immer wieder in ähnliche Konflikte.
  • Du fühlst dich für das Glück deiner Eltern verantwortlich.
  • Du trägst eine Traurigkeit in dir, die du nicht richtig zuordnen kannst.
  • Du stehst vor einer Entscheidung und kommst einfach nicht weiter.
  • Finanziell schlitterst du immer wieder kurz am Existenzminimum vorbei oder kommst einfach nicht auf einen grünen Zweig, ohne dass du es dir erklären kannst.

Woher kommt die Methode?

Die Aufstellungsarbeit hat mehrere Wurzeln. Zu den wichtigsten gehören die Familienskulptur der Familientherapeutin Virginia Satir und das Psychodrama von Jacob L. Moreno. In beiden Ansätzen werden innere Bilder und Beziehungen im Raum dargestellt.

Bekannt geworden ist die Familienaufstellung in Deutschland vor allem durch Bert Hellinger in den 1980er- und 1990er-Jahren. Hellinger war und ist zum Teil noch stark umstritten, wegen seines dogmatischen Stils und einiger seiner Aussagen. Ich muss jedoch immer wieder feststellen, dass er einfach ein Pionier war und mit großer Genauigkeit Ordnungen in Familiensystemen erkannt und systematisiert hat. Zugleich habe ich in meiner eigenen Arbeit auch andere Einflüsse eingefügt und zu einem ganz eigenen Stil vermengt. Wenn du mehr zu Hellinger und der Kritik an ihm lesen willst, findest du das in meinem Artikel Ist Familienaufstellung gefährlich?

Heute spricht man oft allgemeiner von systemischen Aufstellungen. Denn aufstellen lässt sich nicht nur die Herkunftsfamilie, sondern auch die eigene Partnerschaft, ein Team, eine berufliche Situation oder ein inneres Thema.

Wie läuft eine Familienaufstellung in der Gruppe ab?

Jede Aufstellung ist anders. Damit du dir trotzdem ein Bild machen kannst, beschreibe ich dir, wie es bei mir in einem Tagesseminar abläuft.

1. Dein Anliegen klären

Am Anfang sprechen wir kurz miteinander. Was beschäftigt dich? Was soll sich verändern? Und was brauchst du, damit du dich sicher fühlst? Du bestimmst, worum es geht und was eine gute Lösung für dich wäre. Ich höre dir zu und schlage dir mögliche Stellvertreter-Positionen vor.

2. Stellvertreter auswählen

Aus der Gruppe wählst du dann Menschen aus, die für diese Personen oder Themen stehen sollen. Dabei darfst du ganz deinem Gefühl folgen. Es gibt hier nur richtige Entscheidungen.

3. Das Bild im Raum stellen

Du stellst die Stellvertreter so im Raum auf, wie es sich für dich stimmig anfühlt. Wer steht nah beieinander, wer weit weg, wer schaut wohin? Oft wird hier schon etwas sichtbar, das vorher nur als diffuses Gefühl da war.

4. Wahrnehmen und bewegen

Jetzt arbeite ich mit den Stellvertretern. Ich frage sie, wie es ihnen an ihrem Platz geht, und begleite behutsame Veränderungen in der Aufstellung. Du schaust in dieser Zeit von außen zu. Viele empfinden das als entlastend, weil sie ihr eigenes Thema einmal mit etwas Abstand betrachten können.

5. Ein stimmigeres Bild finden

Nach und nach entsteht eine Aufstellung, in der sich alle Beteiligten wohler fühlen. Manchmal kommt ein Satz dazu, manchmal eine Geste. Manchmal wird einfach nur etwas anerkannt, das lange keinen Platz hatte. Wenn es für dich passt, kannst du am Ende selbst an deinen Platz im Bild treten und spüren, wie sich das anfühlt.

6. Aus den Rollen gehen und nachwirken lassen

Am Ende treten die Stellvertreter bewusst aus ihren Rollen heraus. Danach hast du Raum, das Erlebte nachwirken zu lassen. Du musst nicht sofort alles verstehen oder einordnen. Viele merken in den folgenden Tagen und Wochen, dass sich im Alltag etwas verändert hat. Meine Erfahrung und die meiner Klienten zeigen, dass eine Aufstellung bis zu einem halben Jahr danach noch wirkt und alle Puzzleteile an die richtige Stelle fallen werden.

In der Gruppe oder im Einzelcoaching?

Klassisch finden Aufstellungen in einer Gruppe statt, zum Beispiel in einem Tagesseminar. Der Vorteil: Du erlebst nicht nur deine eigene Aufstellung, sondern kannst auch bei anderen als Stellvertreter mitwirken. Das ist oft sehr erhellend, weil sich in fremden Geschichten häufig eigene Themen spiegeln.

Im Einzelcoaching arbeiten wir ohne Gruppe. Statt mit Menschen arbeite ich dann mit Figuren und Bodenankern. Das passt gut, wenn du dein Thema lieber in einem geschützten Rahmen zu zweit anschauen möchtest, bei mir in der Praxis oder online.

Wobei kann eine Familienaufstellung helfen?

Menschen kommen mit ganz unterschiedlichen Anliegen zu einer Aufstellung. Häufig geht es um

  • wiederkehrende Konflikte in Partnerschaft oder Familie
  • ein schwieriges Verhältnis zu Mutter oder Vater
  • Probleme mit den eigenen Kindern
  • das Gefühl, nicht richtig dazuzugehören oder im Leben fremd oder anders zu sein
  • Verluste, Trennungen oder frühe Todesfälle in der Familie
  • berufliche Entscheidungen, bei denen man sich innerlich blockiert fühlt
  • das unbestimmte Gefühl, dass etwas im eigenen Leben nicht rund läuft
  • hartnäckige körperliche Symptome
  • oder Ziele, die sich einfach nicht erreichen lassen (Abnehmen, mit dem Rauchen aufhören etc.)

Wirkt eine Familienaufstellung wirklich?

Es gibt erste wissenschaftliche Hinweise darauf, dass Aufstellungen wirken. Die bekannteste Untersuchung ist die Heidelberger Studie der Universität Heidelberg (Weinhold, Hunger, Bornhäuser, Schweitzer). Sie war die erste randomisierte kontrollierte Studie zu Systemaufstellungen. Über 200 Erwachsene nahmen daran teil. Die eine Hälfte besuchte ein dreitägiges Aufstellungsseminar, die andere Hälfte kam zunächst auf eine Warteliste. Bei den Seminarteilnehmern sank die psychische Belastung deutlich, und das war auch nach vier Monaten noch so (Pressemitteilung der Universität Heidelberg).

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass manchmal eine einzige Aufstellung reicht, damit sich etwas sehr spürbar verändert. Bei tieferen Themen braucht es manchmal mehr Zeit und mehrere Schritte. Eine Garantie gibt es nicht. Wer dir etwas anderes verspricht, sollte dich eher misstrauisch machen.

Und gleichzeitig kann ich aus tiefstem Herzen sagen: Aufstellungsarbeit hat sich für mich als eines der schnellsten, tiefgreifendsten und transformierendsten Tools herausgestellt, die ich kenne! Und ich habe schon vieles in meinem Leben kennengelernt und ausprobiert!

Die Kritik an Familienaufstellungen

Familienaufstellungen werden auch kritisch gesehen. Wenn Aufstellungen schlecht geleitet werden, ist das auch berechtigt. Kritisiert wird vor allem,

  • wenn die Aufstellungsleitung erklärt, was die „Wahrheit“ über deine Familie ist, statt dich selbst Schlüsse ziehen zu lassen,
  • wenn feste Ordnungen für alle gelten sollen, egal was du erlebt hast,
  • wenn Menschen zur Versöhnung gedrängt werden, etwa den Kontakt wieder aufzunehmen, obwohl ihnen das an dieser Stelle nur schadet,
  • und wenn die Sicherheit fehlt: große Gruppen, wenig Zeit, keine Vorbereitung und niemand, bei dem man sich danach noch einmal melden kann.

Das alles hängt weniger an der Methode selbst als daran, wie sie angewendet wird. Worauf du achten solltest und woran du eine seriöse Begleitung erkennst, habe ich dir in einem eigenen Artikel zusammengestellt: Sind Familienaufstellungen gefährlich?

Wie bereite ich mich auf eine Aufstellung vor?

Eigentlich musst du gar nicht viel vorbereiten.

Hilfreich ist ein Gefühl dafür, was du dir anschauen möchtest. Es muss noch nicht perfekt formuliert sein. Ich stehe dir übrigens auch schon im Vorfeld für Fragen dazu zur Seite. Und wenn dein Anliegen noch etwas vage ist, ist das auch kein Problem. Wenn dein Gefühl dich zu einer Aufstellung zieht, wird sich der nächste Schritt automatisch einstellen!

Gut ist es auch, ein paar Fakten zur Familie zu kennen, zum Beispiel frühe Todesfälle, Trennungen, Kriegs- oder Fluchterfahrungen oder Menschen, über die nicht gesprochen wurde. Falls du davon nichts weißt, ist das völlig in Ordnung.

Und plane am Abend nach dem Seminar nichts Anstrengendes ein, damit das Erlebte in Ruhe nachwirken kann.

Worauf es ankommt

Eine Familienaufstellung macht sichtbar, was sonst oft nur als diffuses Gefühl in dir wirkt. Das kann sehr klärend und befreiend sein. Wichtig ist aber, wer sie leitet und wie. Eine gute Aufstellung lässt dir deine eigene Wahrheit, geht in deinem Tempo vor und gibt dir einen sicheren Rahmen.

So arbeite ich: traumasensibel, auf der Grundlage der Gewaltfreien Kommunikation und immer nur so weit, wie es sich für dich gut anfühlt.

Wenn du neugierig geworden bist, kannst du Aufstellungen in meinen Tagesseminaren in Essen erleben, mit deiner eigenen Aufstellung oder erst einmal als Stellvertreter. Oder du kommst ins Einzelcoaching in meiner Praxis in Essen oder online. Wenn du unsicher bist, ob eine Aufstellung für dein Thema passt, schreib mir einfach. Oft bringt schon ein kurzes Gespräch viel Klarheit.

Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, trag dich gerne in meinen Newsletter ein. Dort erzähle ich dir von neuen Artikeln, spannenden Themen und was mich in meiner Arbeit gerade bewegt. Zudem gibt es Ankündigungen zu Seminaren und Angeboten. Keine Angst, ich bin vielbeschäftigt und habe immer tausend Tauben auf dem Dach. Das wird nix Regelmäßiges und spamt dich nicht zu! 🙂


Alles, was Du wissen musst – auf einen Blick.

Häufig gestellte Fragen

Ich möchte, dass Du Dich bei mir gut aufgehoben fühlst. Deshalb beantworte ich hier die Fragen, die mich am häufigsten erreichen. Wenn Deine Frage nicht dabei ist, bin ich jederzeit für Dich da.

Ich kombiniere systemische Aufstellungsarbeit mit körperzentrierten Techniken und meinem eigenen Ansatz der Inneren Transformation. So lösen wir nicht nur Blockaden im Kopf, sondern auch tiefsitzende Muster im Körper und Familiensystem. Wir stärken Deine Ressourcen und klären, was Du wirklich brauchst, damit Dein Leben leichter und freier wird.

Ich arbeite ganzheitlich - Körper, Seele und Verstand gehören zusammen. Nur wenn wir auch die unbewussten Mechanismen anschauen, die hinter einem Problem liegen, kann echte Transformation passieren. Außerdem vereine ich sehr wirkungsstarke Ansätze und kann immer individuell schauen, was Du gerade brauchst.

Ja. Ob online oder vor Ort in Essen - beides ist kraftvoll und wirksam. Du entscheidest, was besser zu Deinem Leben passt. Auch ein Mix ist möglich. Für Gruppenprozesse wie Aufstellungen gibt es zusätzlich Workshops und Seminare – die Termine findest Du unter svenja-aufderlake.de/termine.

Dann bist Du hier genau richtig. Viele Menschen haben sich so lange angepasst, dass sie gar nicht mehr spüren, was sie selbst wollen. Gemeinsam finden wir heraus, was Dir wirklich guttut.

Beim ersten Termin schauen wir kurz, wo Du stehst und was Du erreichen möchtest. Dann starten wir direkt mit Deinem Prozess, denn Reden allein bringt oft keine Veränderung. So spürst Du schnell, ob meine Arbeit zu Dir passt und kannst dann entscheiden, wie Du weitermachen möchtest.

Oft sehr schnell. Manchmal reicht eine Aufstellung, um spürbare Veränderungen auszulösen. Bei tieferen Themen zeigen sich nach drei bis fünf Sitzungen nachhaltige Veränderungen im Alltag.

Ich arbeite traumasensibel und nur so weit, wie es sich gut anfühlt. Es wird nichts gewaltsam aufgebrochen. Ein sicherer, geschützter Rahmen ist für mich selbstverständlich.

Darum musst Du Dich nicht kümmern. Ich höre Dir zu, was Du erreichen möchtest, und schlage Dir dann den passenden Ansatz vor. Oft ist es auch eine Kombination, die besonders gut wirkt.
Svenja auf der Lake
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